Die Sache mit der Verkürzung der Schulzeit…

Abitur 2Mit einer Freundin habe ich über die Verkürzung des Abiturs von 13 auf 12 Jahre gesprochen. Sie meinte, dass es eine gute Sache sei, dass die Kinder so früh wie möglich auf das Leben vorbereitet werden. Sie wäre damals froh darum gewesen, weil der Schnitt von Schule auf Studium so hart war, dass sie das Studium fast aufgegeben hätte. Deshalb sei es gut, so früh wie möglich zu lernen, mit Druck umzugehen.

Doch was haben Kinder noch von ihrer Kindheit?

– Sie hätten doch ja wohl immer noch genug Zeit! – Ist dem so? Ist es nicht vielmehr so, dass wir Erwachsenen sie einer Gesellschaft unterordnen, einer Gesellschaft, die nur ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgt?

Die Gesellschaft wächst an denen, die sie infrage stellen.

Diesen Gedanken hatte auch ein Vater, der seiner Tochter einen liebevollen und rührenden Brief schrieb . Er konfrontiert diejenigen, die alles herunterspielen und meinen, dass es sich ja nur um ein Jahr handle, -frei nach dem Motto „Das ist doch nicht so schlimm…“- damit, dass es nicht nur ein Jahr sei, sondern Millionen. Dass es Aufstände gäbe, wenn Arbeiter auf einmal 15% mehr Leistung bringen müssten. „Ausbeutung“ würden die Menschen dies nennen. Aber ob 8 oder 9 Jahre zum Abitur, das sei ja egal… Kinder gehen mit 17 Jahren von der Schule, haben mit 20 Jahren ihren Bachelor und starten als fast noch Kinder in die Berufswelt. Dieser Vater wünscht seiner Tochter in meinen Augen das Schönste: Kein Auslandsstudium, keine zusätzlichen Kurse in Sommerferien, nein. „Sondern einfach eine Reise ohne Weg und ohne Ziel. Denn wenn Du Deine Seele bis dahin nicht in einem Klassenzimmer gefunden hast, wirst Du sie auch in einem Hörsaal nicht finden. Aber vielleicht tief in einem finnischen Wald, mitten in einem äthiopischen Dorf oder auf der Sitzbank eines amerikanischen Überlandbusses. Irgendwo, irgendwann, wenn Du es nicht erwartest.“ (Quelle: zeit.de)

Alphabet

Der Dokumentarfilm Alphabet geht noch weiter. Im Film von Erwin Wagenhofer wird dargelegt, dass wir systematisch die Kreativität und Vorstellungskraft von Kindern zerstören. Wo 98% der Kinder hochbegabt zur Welt kommen, seien es nach der Schule seien nur noch 2%. Aufgrund von der herrschenden Konkurrenzwelt bereiten wir unsere Kinder immer früher auf den Druck vor. Dabei wird die Verkürzung des Lebens auf die Ökonomie als eine der schlimmsten Entwicklungen unserer heutigen Zeit gesehen. China ist mittlerweile der Meister der Pisa-Studie. Doch wie geht es diesen Kindern? Ist es nicht so, dass die Selbstmordrate der Schüler in China am höchsten ist? „Wir züchten systemkompatible Wissensfresser heran, die das Wichtigste nicht gelernt haben: Selbst zu denken, oder gar, zu leben… (…) Wir sind konditioniert auf diese Welt, und das ist unser Hauptproblem; (…) denn es gibt nur 2 Dinge, die ein Kind und später der Erwachsene erfüllen soll: Er soll ein ordentlicher Konsument sein und er soll irgendwie diese Produkte, die man dann teilweise gar nicht mehr braucht, herstellen – That´s it!“ (Quelle: alphabet-film.com).

Der Film stimmt mich nachdenklich. Ich habe Situationen meiner Schulzeit im Kopf. Momente, wo wir, als Schüler des allgemeinen Gymnasiums, alle ausgelacht haben, die auf Montessori- oder Waldorfschulen waren. Wir haben uns lustig gemacht über Dinge, die wir noch überhaupt nicht verstanden haben. Namen tanzen und so. Ihr wisst wovon ich rede. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Ich stelle mir vor, wie meine Schulzeit in einer dieser Schulen gewesen wäre…

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