Was ist eigentlich normal…?

Normal ist,…

1)  dass wir unsere wahre Identiät und unsere Träume vergessen und nur noch arbeiten, um zu produzieren, zu reproduzieren und Geld zu verdienen;

2)  dass wir Regeln für den Kriegsfall haben (die Genfer Konvention);

3) dass wir jahrelang studieren und später doch keine Arbeit finden;

4) dass wir täglich von neun bis siebzehn Uhr einer Arbeit nachgehen, die uns überhaupt keinen Spaß macht, nur damit wir dreißig Jahre später in Rente gehen können;

5) dass wir in Rente gehen und dann herausfinden, dass wir keine Energie mehr haben, um das Leben zu genießen, und wenige Jahre später an Langeweile sterben;

6) dass es nichts Besonderes ist, Botox zu verwenden;

7) dass wir nach finanziellem Erfolg anstatt nach Glück streben;

8) dass derjenige lächerlich gemacht wird, der nach Glück strebt, anstatt nach finanziellem Erfolg;

9) dass wir unser Leben über unsere Besitztümer definieren, anstatt herauszubekommen, wozu wir leben;

10) dass es sich nicht gehört, mit Fremden zu sprechen, aber dass jeder schlecht über seinen Nachbarn reden darf;

11) dass wir glauben, dass unsere Eltern immer recht haben;

12) dass wir heiraten, Kinder bekommen und mit unserem Partner zusammenbleiben, auch wenn die Liebe zu Ende ist, und als Grund das Wohl der Kinder anführen (die die ständigen Streitereien angeblich nicht mitbekommen);

13) dass derjenige kritisiert wird, der versucht, anders zu sein und aus der Reihe zu tanzen;

14) dass wir uns allmorgendlich von einem hysterischen Wecker auf dem Nachttisch wecken lassen;

15) dass wir alles glauben, was in der Zeitung steht;

16) dass Männer sich ein buntes, funktionsloses Stück Stoff mit dem pompäsen Namen Krawatte um den Hals binden;

17) dass wir nie direkt fragen, auch wenn der Gefragte genau weiß, was wir wissen möchten;

18) dass wir uns zwingen, ein Lächeln auf den Lippen zu tragen, auch wenn wir am liebsten weinen möchten, und auf alle mitleidig herabsehen, die ihre Gefühle zeigen

19) dass wir glauben, Kunst müsse ein Vermögen kosten, wenn sie etwas wert sein soll;

20) dass wir leicht Errungenes verachten, weil wir glauben, ohne Anstrengung sei es nichts wert;

21) dass wir der Mode folgen, egal wie lächerlich und unbequem es sein mag;

22) dass wir überzeugt davon sind, jeder berühmte Mensch sei automatisch auch schwerreich;

23) dass wir viel Geld für äußere Schönheit ausgeben, uns aber wenig um die innere Schönheit kümmern;

24) dass wir alles Erdenkliche tun, um vorzugeben, über allen anderen Menschen zu stehen, obwohl wir doch nur ganz normale Menschen sind;

25) dass wir in öffentlichen Verkehrsmitteln den anderen Fahrgästen nie in die Augen schauen, aus Angst, es könnte uns als Anmachversuch ausgelegt werden;

26) dass wir uns im Fahrstuhl immer mit dem Gesicht zur Tür hinstellen und so tun, als wären wir ganz allein – auch wen der Fahrstuhl gerammelt voll ist

27) dass wir in einem Restaurant nie laut lachen, auch wenn der Witz noch so gut ist;

28) dass wir in der nördlichen Hemisphäre immer die der Jahreszeit entsprechende Kleidung tragen: kurze Ärmel im Frühling (so kalt es auch sein mag) und Wolljacke im Herbst (so warm es auch sein mag);

29) dass wir auf der südlichen Hemisphäre unseren Weihnachtsbaum mit weißer Watte schmücken, auch wenn Christi Geburt nichts mit Winter und Schnee zu tun hat;

30) dass wir mit fortschreitendem Alter automatisch davon ausgehen, weise zu sein, auch wenn wir noch längst nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden können;

31) dass man denkt, mit dem Besuch eines Wohltätigkeits-Tees genug für die Beseitigung der Ungerechtigkeit in der Welt getan zu haben;

32) dass wir dreimal am Tag essen – auch wenn wir keinen Hunger haben;

33) dass wir davon ausgehen, dass die anderen in allem immer besser sind als wir: Sie sehen besser aus, sind fähiger, reicher, intelligenter, und dass es riskant ist, über seine eingenen Grenzen hinauszugehen, und man daher am besten überhaupt nichts tut;

34) dass unser Auto ein Symbol für unsere Macht ist und ein Mittel, andere zu beherrschen;

35) dass wir beim Autofahren fluchen;

36) dass wir denken, wenn unser Kind Fehler macht, liege das einzig an der schlechten Gesellschaft, die es sich gesucht hat;

37) dass wir nicht auf die Liebe warten, sondern die Erstbeste oder den Erstbesten heiraten, der eine gute Partie zu sein verspricht;

38) dass wir immer sagen, wir hätten etwas versucht, dabei haben wir gar nichts getan;

39) dass wir Interessantes, was wir erleben könnten, immer auf später verschieben – so lange, bis wir nicht mehr die Kraft dafür haben;

40) dass wir denken, gegen Depressionen helfe eine tägliche hohe Dosis Fernsehen;

41) dass wir glauben, dass alles, was wir erlangt haben, uns auf ewig sicher ist;

42) dass wir davon ausgehen, dass Frauen keinen Fußball mögen und Männer ungern kochen oder Wohnungen einrichten;

43) dass wir immer die Regierung für alles Negative, was geschieht, verantwortlich machen;

44) dass wir davon überzeugt sind, dass man guter, anständiger, respektvoller Mensch automatisch als schwach, verletzlich und leicht beeinflussbar gilt;

45) dass wir Agressivität und Unhöflichkeit im Umgang mit anderen als Zeichen einer starken Persönlichkeit werten;

46) dass man als Mann Angst vor einer Blasenspiegelung und als Frau Angst vor dem Gebären hat.

Auszug aus Paulo Coelho – “Der Sieger bleibt allein”:

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